„Goldschmiedin des Volkes“ öffnet Werkstatt

Schmuckatelier am Kanal zeigt am Donnerstag Interessierten, wie Schmuck handwerklich hergestellt wird

Andrea Hubmann

BURGTHANN – Schmuck gibt’s von der Stange und neuerdings auch im Internet – das ist bequem, aber nicht gerade individuell. Und schon gar nicht handelt es sich bei so erworbenen Klunkern um Unikate. Wer er persönlich liebt, der sollte sich schon bei einem Goldschmied oder einer Goldschmiedin umsehen. Wie etwa bei Andrea Hubmann in Burgthann. Und wer schon immer mal wissen wollte, worin sich ein Schmuckladen von einem Goldschmiede-Atelier mit angeschlossener Werkstatt unterscheidet, der kann sich bei der offenen Goldschmiedewerkstatt am Donnerstag im Schmuckatelier am Kanal informieren.

Zwar sieht der kleine Raum durchaus wie eine Handwerkstatt aus, aber es gibt eben auch etliche elektrische Geräte, die nicht gerade billig sind, wie das Lichtbogenschweißgerät, mit dem man ganz anders schweißen kann als mit einem herkömmlichen Apparat. Zwei Beispiele nennt die Chefin, die eine echte Goldschmiedewerkstatt auszeichnen: Schmuckstücke werden bei ihr in Aufbautechnik gefertigt, d.h. für jedes Stück werden die Einzelteile hergestellt und anschließend zusammengelötet und nicht, wie in der industriellen Fertigung, anhand von Modellen gegossen. Das macht diese zwar beliebig reproduzierbar, raubt ihnen aber die Individualität. Und zu 90 Prozent sind die Steine, die im Hause Hubmann verarbeitet werden, gefasst, also mit äußerster Genauigkeit in das winzige Metallgerüst eingepasst und eingedrückt und nicht bloß hineingeklebt. Kleine Unterschiede, die aber die Qualität von handwerklich hergestelltem Schmuck ausmachen. Wert legt die Goldschmiedin darauf, dass mit ihrer Ausstattung auch Reparaturen möglich sind, die man anderswo nicht mehr ausführen kann.

Leidenschaft für Steine
„Wir lieben die Steine“ lautet das Bekenntnis von Andrea Hubmann, „damit fing alles an“. Diese Leidenschaft führt auch dazu, dass etwa 70 Prozent des hergestellten Schmucks Unikate sind. Gearbeitet wird nach eigenen Ideen, aber auch nach den Vorstellungen der Kundschaft. Wer sich die Vitrinen ansieht, dem fällt auch bald die Hausmarke Andurah auf, ein offenes Kettensystem, bei dem die Anhänger nicht am Kettchen baumeln, sondern an einer gebogenen, um den Hals getragenen Aufhängung. Wem das zu ungewohnt ist, für den findet sich aber auch eine „Kettenlösung“.

Um Lösungen bemüht
Frau Hubmann und das Team sind ohnehin bemüht, für nahezu alles eine Lösung zu finden. Für ausgefallene Wünsche, was Großmutters Erbstück angeht, ebenso wie für extravaganten Schmuck zu erschwinglichen Preisen, weswegen sich die Kunsthandwerkerin augenzwinkernd „Goldschmiedin des Volkes“ nennt. Die Steine – Opale, Amethysten, aber auch Brillanten – werden direkt auf Messen oder vom Stein-Agenten gekauft, so dass es keine Zwischenhändler gibt und die Endkalkulation günstiger ausfällt. Wer bei Hubmann Altgold in Kommission gibt, kann sichergehen, dass es an seriösen Stellen ordentlich weiterverkauft wird. Die Goldschmiedin im Gegenzug stellt immer wieder fest, dass der Erlös auch gleich wieder investiert wird: in ein Unikat aus ihrem Atelier am Kanal.
G. Spandler